Die Kunst des Focusings

Mario LembergerMethoden & Impulse

Kurz gesagt

Focusing ist eine Methode der Selbstreflexion nach Eugene T. Gendlin. In sechs Schritten führt sie zum „felt sense“, einer vagen Körperempfindung, die mit einer Situation oder einem Gefühl verbunden ist. Ziel ist nicht die schnelle Lösung, sondern ein tieferes Verstehen, das Kopf und Körper verbindet.

Innere Klarheit und Gelassenheit finden

In unserer hektischen Welt, in der wir oft von einem Termin zum nächsten eilen, kann es leicht passieren, dass wir den Kontakt zu uns selbst verlieren.

Genau hier setzt eine Methode an, die in ihrer Einfachheit und Tiefe beeindruckt: Focusing. Entwickelt vom Philosophen und Psychotherapeuten Eugene T. Gendlin, bietet Focusing einen strukturierten, aber dennoch intuitiven Ansatz, um Zugang zu unseren inneren Gefühlen und Empfindungen zu finden.

Was ist Focusing?

Focusing ist eine Methode zur Selbstreflexion. Sie zielt darauf ab, mit dem sogenannten „felt sense“ in Kontakt zu treten.

Gut zu wissen

Was ist der felt sense? Der „felt sense“ beschreibt eine vage, oft schwer in Worte zu fassende Körperempfindung, die mit einer bestimmten Situation, einem Problem oder einem Gefühl verbunden ist.

Es ist wie ein inneres Wissen, das noch keine klare Form hat, aber durch achtsame Aufmerksamkeit und respektvolle Annäherung klarer werden kann.

Die sechs Schritte des Focusing

Focusing besteht aus sechs Schritten, die dabei helfen, den felt sense wahrzunehmen und zu entdecken:

  1. Raum schaffen

    Einen Moment innehalten und bewusst einen inneren Raum schaffen, in dem alles willkommen ist.

  2. Den felt sense spüren

    Achtsam in den Körper hineinspüren und wahrnehmen, wie sich eine bestimmte Situation oder ein Problem anfühlt.

  3. Einen Griff finden

    Ein Wort, einen Satz oder ein Bild finden, das den felt sense beschreibt.

  4. Resonanz prüfen

    Überprüfen, ob der gefundene Ausdruck wirklich mit dem felt sense übereinstimmt.

  5. Fragen stellen

    Den felt sense mit offenen Fragen erkunden, zum Beispiel: „Was ist das Besondere an diesem Gefühl?“

  6. Empfangen

    Die Erkenntnisse annehmen, ohne sie zu bewerten oder zu erzwingen.

Kreis mit sechs nummerierten Schritten des Focusing um den felt sense in der Mitte: Raum schaffen, felt sense spüren, einen Griff finden, Resonanz prüfen, Fragen stellen, Empfangen
Die sechs Schritte des Focusing kreisen um den felt sense: Raum schaffen, spüren, einen Griff finden, Resonanz prüfen, fragen, empfangen.

Warum ist Focusing so wirkungsvoll?

Das Besondere an Focusing: Es zielt nicht darauf ab, Probleme sofort zu lösen, sondern sie auf einer tieferen Ebene zu verstehen.

Oft entdecken wir dabei unerwartete Zusammenhänge oder spüren eine Erleichterung, einfach weil wir uns selbst Raum und Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Focusing hilft uns, präsent zu sein, nicht nur im Kopf, sondern auch im Körper. Es verbindet das analytische Denken mit der Weisheit des Körpers und führt so zu einem ganzheitlichen Verstehen.

Wie kann man Focusing lernen?

Focusing kann alleine oder mit einem Partner geübt werden. Es gibt viele Bücher, Online-Kurse und Workshops, die einen Einstieg erleichtern.

Tipp

Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen und ohne Druck an die Methode heranzugehen. Geduld und Selbstmitgefühl sind der Schlüssel, um Focusing wirklich zu verinnerlichen.

Fazit

In einer Zeit, in der wir oft nach äußeren Lösungen für innere Probleme suchen, bietet Focusing eine mächtige Möglichkeit, wieder mit uns selbst in Kontakt zu kommen.

Wir tragen die Antworten auf viele unserer Fragen bereits in uns. Wir müssen nur lernen, hinzuhören.

Mario Lemberger

Ob als Weg zur persönlichen Entwicklung, als Unterstützung in herausfordernden Zeiten oder als Ergänzung zu therapeutischen Ansätzen: Focusing ist ein wertvolles Werkzeug, um Klarheit und innere Balance zu finden.

Focusing lässt sich gut in einem begleiteten Rahmen kennenlernen. Gern nehmen wir uns in meiner Praxis dafür Zeit.

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Häufige Fragen

Was ist der felt sense?

Der felt sense ist eine vage, oft schwer in Worte zu fassende Körperempfindung, die mit einer bestimmten Situation, einem Problem oder einem Gefühl verbunden ist. Durch achtsame Aufmerksamkeit kann sie klarer werden.

Aus welchen Schritten besteht Focusing?

Aus sechs Schritten: Raum schaffen, den felt sense spüren, einen Griff finden, Resonanz prüfen, Fragen stellen und Empfangen.

Löst Focusing Probleme sofort?

Nein, das ist nicht das Ziel. Focusing will Probleme auf einer tieferen Ebene verstehen. Oft entdeckt man dabei unerwartete Zusammenhänge oder spürt Erleichterung, weil man sich selbst Raum und Aufmerksamkeit geschenkt hat.

Kann man Focusing alleine lernen?

Ja, Focusing kann alleine oder mit einem Partner geübt werden. Bücher, Online-Kurse und Workshops erleichtern den Einstieg. Wichtig sind Zeit, Geduld und Selbstmitgefühl.

Büchervorschläge

Buchcover, Focusing

Focusing: Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher Probleme

Quellen & weiterführende Literatur

  • Gendlin, E. T. (1981): Focusing. Bantam.
  • Gendlin, E. T.: Focusing. Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher Probleme. Rowohlt. (siehe Büchervorschlag)