Kreative Hoffnungslosigkeit

Mario LembergerMethoden & Impulse

Kurz gesagt

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) stammt aus der Verhaltenstherapie und lässt sich gut in der Lebens- und Sozialberatung anwenden. Sie fördert psychische Flexibilität über sechs Ansatzpunkte: Akzeptanz, Defusion, Achtsamkeit, Selbst als Kontext, Werte und Commitment. Statt unangenehme Gefühle zu kontrollieren, geht es darum, das eigene Handeln an den eigenen Werten auszurichten.

Was ist die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)?

ACT ist eine Methode aus der Verhaltenstherapie, die auch gut in der Lebens- und Sozialberatung angewendet werden kann.

ACT teilt sich in sechs Ansatzpunkte zur Förderung psychischer Flexibilität.

Schema: Sechseck der psychischen Flexibilität mit den sechs Ansatzpunkten Akzeptanz, Defusion, Achtsamkeit, Selbst als Kontext, Werte und Commitment
Die sechs Ansatzpunkte der ACT bilden zusammen die psychische Flexibilität.
6Ansatzpunkte psychischer Flexibilität
Freund & Feinddie zwei Seiten des Verstandes

Die sechs Ansatzpunkte im Überblick

Akzeptanz

Klienten möchten ein „normales“, „gesundes“ Leben führen, so wie es auch die anderen „gesunden Menschen“ führen.

Negative Gefühle werden als unerwünscht angesehen und sollen oft kontrolliert werden. Das können Angst, Selbstzweifel, Schuldgefühle, depressive Verstimmungen, Nervosität oder Erinnerungen an unangenehme Erlebnisse sein.

In der ACT ist es wichtig zu lernen, die oft unangenehmen Gedanken, Gefühle, körperlichen Empfindungen und Impulse zu akzeptieren, ohne sie loswerden oder kontrollieren zu wollen.

Defusion

Unser Verstand hindert uns oft daran, unser volles Potenzial auszuschöpfen und ein Leben in Richtung unserer Ziele und Werte zu leben:

  • Wir leben zu selten im Hier und Jetzt (Gedanken über Vergangenheit und Zukunft).
  • Wir verschwenden Energie an Dinge, die nicht zu ändern sind.
  • Wir halten an Vorurteilen anderer oder uns selbst gegenüber fest.
  • Wir lassen uns oft genug von unserer negativen Gedankenwelt entmutigen.
Achtsamkeit

Warum ist die Gegenwart für unseren Verstand oft uninteressant? Weil keine unmittelbare Gefahr vorliegt und es nichts Buntes, Schnelles oder Aufregendes gibt, das interessant wäre.

Darum beschäftigt sich der Verstand mit Ereignissen aus der Vergangenheit oder möglichen Problemen in der Zukunft, genauer mit einem gedanklichen Konstrukt darüber, denn die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft ungewiss.

Selbst als Kontext

Klienten sind oft in bestimmten Vorstellungen über das eigene Ich verhaftet. Nicht der Inhalt des Selbstbildes ist problematisch, sondern das rigide Festhalten daran. Dadurch kommt es zur Einengung des Verhaltensspielraums.

Diese negativen Selbstbilder können sein:

  • „Ich bin es nicht wert, ich bin hässlich, ich bin dumm, ich bin beziehungsunfähig“ usw.
  • Ein negatives Schicksal: „Ich bin ein geborener Pechvogel“ oder „das Opfer“.
  • Viele Klienten verschmelzen auch mit ihrer Diagnose: „Ich bin der Depressive, der Traumatisierte, der Suchtpatient.“

Die Gesellschaft reagiert auf Anzeichen eines verzerrten Selbstbildes meistens mit dem Versuch, das Selbstwertgefühl zu steigern oder das negative Selbstkonzept durch ein positives zu ersetzen. ACT versucht hier einen anderen Weg zu gehen.

Werte

Der Verstand als Freund: Er spielt eine große Rolle beim Fragenstellen und Beantworten, zum Beispiel wie wir unser Leben führen wollen. Wofür stehst du ein, was soll dein Leben ausmachen, was sind deine Werte und in welche Richtung soll dein Leben gehen?

Der Verstand als Feind: Beim Umgang mit Gefühlen ist der Verstand eher hinderlich, da er hier zu Kontrollstrategien neigt, auch wenn sie nicht funktionieren oder oft mit hohen Kosten verbunden sind.

ACT soll Klienten dabei unterstützen, ihre Barrieren zu erkennen und sie aus dem Weg zu räumen, um ihr Leben an ihren Wertvorstellungen auszurichten.

Commitment

Mit Commitment ist gemeint, sein Handeln nach den eigenen Werten auszurichten, auch wenn gewisse Barrieren dabei auftreten.

„Eine verstärkte Neigung zum Sichsorgen und Grübeln ist ein negativer Prädiktor für psychische Gesundheit.“

Hayes, 2012
Gut zu wissen

In der ACT geht es nicht darum, unangenehme Gedanken oder Gefühle zu kontrollieren oder loszuwerden. Sie werden akzeptiert, während das Handeln an den eigenen Werten ausgerichtet wird.

Was am Ende zählt

„Die Lebensqualität wird bestimmt durch Fußspuren – die Wege, die Menschen tatsächlich in ihrem Leben beschreiten – und nicht durch das, was sich zwischen ihren Ohren abspielt.“

Strosahl, Robinson und Gustavsson

Neugierig, wie ACT in der Beratung aussehen kann? Ein unverbindliches Erstgespräch ist der erste Schritt.

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Häufige Fragen

Was ist ACT?

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie ist eine Methode aus der Verhaltenstherapie, die auch gut in der Lebens- und Sozialberatung angewendet werden kann. Sie teilt sich in sechs Ansatzpunkte zur Förderung psychischer Flexibilität.

Welche sechs Ansatzpunkte gibt es?

Akzeptanz, Defusion, Achtsamkeit, Selbst als Kontext, Werte und Commitment.

Was bedeutet Akzeptanz in der ACT?

Unangenehme Gedanken, Gefühle, körperliche Empfindungen und Impulse zu akzeptieren, ohne sie loswerden oder kontrollieren zu wollen.

Was ist mit Commitment gemeint?

Sein Handeln nach den eigenen Werten auszurichten, auch wenn dabei Barrieren auftreten.

Warum ist der Verstand Freund und Feind zugleich?

Als Freund hilft er beim Fragenstellen und Beantworten, etwa welche Werte und Richtung das eigene Leben haben soll. Als Feind neigt er beim Umgang mit Gefühlen zu Kontrollstrategien, auch wenn diese nicht funktionieren oder hohe Kosten haben.

Büchervorschläge

Buchcover, Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei - Russ Harris

Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei: Ein Umdenkbuch

Buchcover, Therapie-Tools - Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT)

Therapie-Tools Akzeptanz- und Commitmenttherapie

Quellen & weiterführende Literatur

  • Hayes, S. C., Strosahl, K. D. & Wilson, K. G. (1999): Acceptance and Commitment Therapy. Guilford Press.
  • Harris, R.: Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei. Ein Umdenkbuch. Goldmann.
  • Therapie-Tools Akzeptanz- und Commitmenttherapie (siehe Büchervorschläge).